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Marco Schröder (2009):

Die Geschichte der Fabrikantenfamilie beim Thekla

   

Eine der angesehensten und einflussreichsten Peterswalder Unternehmer-dynastien des auslaufenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts war die Fabrikantenfamilie Wolf/ Hiebsch, genannt beim Thekla. Der Begründer dieser Firma, Franz Wolf, wurde am 14. Oktober 1812 in Tyssa geboren. Er entstammte der Familie der so genannten Rauerhonse aus dem Haus Nr. 273 in Peterswald. Das Stammhaus derselben war jedoch das Gebäude Nr. 239, das bis in die 1940er Jahre hinein noch beim Honsenseffen hieß, was darauf schließen lässt, dass der Name eines Urahns Hans-Josef gewesen sein muss. Die Eltern Franz Wolfs waren der Peterswalder Knopfmacher Franz Wolf senior und dessen aus Tyssa stammende Ehefrau Maria Anna Rühr. Neben Franz junior hatten sie noch vier weitere das Erwachsenenalter erreichende Söhne und eine Tochter. Der Älteste war der am 16. Mai 1811 geborene Joseph, der wie seine jüngeren Brüder Franz und Wenzel (* 01.12.1822) nachmals das Handwerk des Vaters ergreifen und sich die für die Herstellung von Knöpfen und Schnallen notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen sollte. Demgegenüber entschied sich Franz seniors und Maria Annas dritter Sohn, der am 29. März 1815 geborene Ferdinand (+ 06.11.1908), für den Beruf eines Ziegeldeckers und ließ sich später in Mecklenburg nieder. Sein jüngerer Bruder Anton (* 06.10.1820) – in den Kirchenbüchern als Häusler bezeichnet – erbte um 1850 das väterliche Anwesen Nr. 273 und der Jüngste der Geschwister Wolf, Augustin (09.11.1825-17.08.1897), war im Haus Nr. 258 ansässig und versah über viele Jahre hinweg das Amt des hiesigen Sparkassendirektors. Die am 17. Februar 1817 geborene Tochter Theresia schloss 1855 die Ehe mit dem aus Tyssa stammenden Knopffabrikanten Franz Konrad (* 21.06.1826) und zog mit ihm bald darauf nach Niedergrund an der Elbe.

Im Jahre 1838 kaufte Franz Wolf junior das Haus Nr. 276 von der verwitweten Maria Anna Janke und schloss am 19. Juni 1838 die Ehe mit Thekla Bernhardt. Diese hatte am 22. Mai 1820 im Haus Nr. 41 das Licht der Welt erblickt und muss der Überlieferung nach von ziemlich kleinwüchsiger Statur gewesen sein. Genaue Angaben ihre Körpergröße betreffend fehlen indes, doch muss jenes Erscheinungsmerkmal so bedeutsam gewesen sein, dass man die Familie, die Thekla und Franz Wolf junior gründeten, von da an bei der kleinen Thekla und später kürzer beim Thekla nannte. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein sollten beider Nachfahren diesen auf das Aussehen ihrer Vorfahrin rekurrierenden Spitznamen tragen.

Für die Familie noch bedeutsamer als die Statur Thekla Wolfs war hingegen im Jahre 1840 die Gründung der Firma Gebrüder Wolf durch den 29-jährigen Joseph und den ein Jahr jüngeren Franz Wolf. Beide hatten sich entschieden, im Haus Nr. 276 im Oberdorf in größerem Stil Sattlerwaren wie Knöpfe, Rosen, Schnallen und Stiefeleisen aus Gussmessing zu produzieren. Nachdem sie die hierfür notwendigen Formen an verschiedenen Stellen besorgt, zum Teil aber auch selbst gefertigt hatten, ließen sie ihre Produkte im Rohguss bei Wenzel Kliem, genannt Messenwenz, einem Gelbgießer im Haus Nr. 94, herstellen und verarbeiteten sie nachher mit eigener Hand. Anfangs sollen die Brüder ihre Waren noch selbst auf den Märkten von Brünn, Pilsen und Prag feilgeboten haben, wobei sie nicht nur ihren Horizont in geschäftlichen Angelegenheiten erweitern konnten, sondern auch in Berührung mit einem breiten Warenspektrum im Bereich der Kleinmetallwaren kamen. Durch Fleiß und ein gutes kaufmännisches Gespür stieg der Umsatz stetig und die Brüder waren bald in der Lage, eine eigene Gießerei einzurichten. Auch in ihren heranwachsenden Kindern – bereits im Jahr vor der Eheschließung Franz Wolfs hatte Joseph die aus dem Haus Nr. 160 stammende Knopfmacherstochter Theresia Bernhardt (* 28.12.1812) geheiratet – fanden die Firmengründer tatkräftige Unterstützung und als sich zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die infrastrukturellen Rahmenbedingungen durch den Ausbau des Eisenbahn- und Telegrafennetzes sowie durch die Verbesserung des Postwesens zum Positiven änderten, war durch weitere Gewinnsteigerungen die Aufnahme einiger Hilfsarbeiter unumgänglich. Eine Zäsur hingegen stellte der  Tod des knapp 58-jährigen Joseph Wolf am 8. April 1869 dar. Nun trat sein am 7. August 1848 geborener Sohn Anton als Teilhaber in die Firma Gebrüder Wolf ein, kündigte aber im Jahre 1883 seinen Geschäftsanteil und gründete ein eigenes Unternehmen in seinem Haus Nr. 195. Anton Wolf, bald ebenfalls ein wohlhabender Fabrikant von Knöpfen und Schnallen, wurde um 1907 von einer psychischen Krankheit befallen, was seine Einlieferung in die Landesirrenanstalt Prag notwendig machte. Hier starb er am 14. September 1910 und fand seine Ruhe in einem noch heute erhaltenen Grab auf dem Friedhof in Peterswald neben dem Eingang zur Parentationshalle.

Wie der Pfarrchronik zu entnehmen ist, hat sich Anton Wolf, der auch als erster Gemeinderat und als Vogteikommissär für die Pfarrkirchen in Peterswald und Nollendorf fungierte, tatkräftig an der Erhaltung und Erneuerung des Peterswalder Gotteshauses beteiligt. So stiftete er im Jahre 1894 eine neue Kanzel im Wert von 400 Gulden, wofür er ein bischöfliches Belobigungsschreiben erhielt und drei Jahre später finanzierte er unter dem Hinweis, dass sein Name nie genannt werden sollte, die Renovierung der beiden Seitenaltäre. Auch die Anschaffung einer neuen Turmuhr im Jahre 1905 ist einer überaus großzügigen Spende des Knopffabrikanten über 900 Gulden zu verdanken.

Mit dem Ausscheiden seines Neffen Anton aus dem Unternehmen Gebrüder Wolf übergab der inzwischen über 70-jährige Franz Wolf das gesamte Geschäft an seinen Sohn August, der es bald darauf vom elterlichen Haus Nr. 276 in das von ihm in der unmittelbaren Nachbarschaft erworbene Haus Nr. 274 verlegte.

August Wolf hatte am 5. Mai 1842 das Licht der Welt erblickt und befand sich seit dem 23. November 1869 mit der Peterswalderin Johanna Karolina Wolf (20.05.1845-06.11.1920) im Bund der Ehe. Bereits im Jahr zuvor, am 25. November 1868, war ihr gemeinsamer Sohn Franz geboren worden, auf den am 29. September 1870 dessen jüngerer Bruder Wilhelm folgte. Auch beider Tante, die nach ihrer Mutter benannte Thekla (09.11.1851-23.04.1917) – die jüngere Schwester  August Wolfs –, hatte sich der Etablierung des Familienunternehmens Wolf verschrieben und leistete hierfür mit ihrer am 24. Juli 1871 vollzogenen Eheschließung mit dem Peterswalder Gelbgießer Anton Hiebsch (08.10.1848-29.04.1918) einen nicht zu unterschätzenden Beitrag. Doch weit wichtiger für den Fortbestand des Familienunternehmens war das Interesse von August Wolfs erstgeborenem Sohn Franz in Bezug auf kaufmännische Belange und die Produktion von Kleinmetallwaren. 1885, im Alter von 16 Jahren, trat er als Compagnon in den väterlichen Betrieb ein. Fortan wurde die Firma unter dem Namen August Wolf und Sohn weitergeführt, aber dennoch blieb der Name beim Thekla auch weiterhin volksmündlich erhalten. Zur gleichen Zeit erfolgte eine beträchtliche Investition, als August Wolf hinter seinem Firmensitz das Haus Nr. 448 erbaute, in dem eine Gießerei und mehrere Werkstätten untergebracht werden konnten. Diese bauliche Erweiterung war notwendig geworden, da inzwischen etwa 15 bis 20 Arbeiter im Unternehmen Wolf Beschäftigung fanden.

Durch einen sich stetig steigernden Gewinn war es dem Fabrikanten August Wolf möglich, seinem Sohn Franz Geschäfts- und Fortbildungsreisen zu finanzieren, die diesen von 1886 bis 1888 bis in die Türkei, nach Rumänien und auch nach Belgien führten. 1889 wurde er dann zum Militärdienst eingezogen und trat nach Ableistung einer dreijährigen Dienstzeit wieder in die Geschäftsführung des Unternehmens ein. Am 17. Januar 1891 schloss er in der Peterswalder Barockkirche St. Nikolaus mit der am 29. November 1865 geborenen Maria Josefina Püschel den Bund der Ehe. Beide hatten bereits eine zweijährige Tochter, Frieda Maria, die am 17. September 1891 zur Welt gekommen war. Auf sie folgten am 13. August 1893 Marie, am 15. Juli 1894 Rudolf Franz (+ 12.09.1895) und am 19. Juli 1895 Elsa (+ 27.09.1895). Wäre Josefinas Vater, der in Peterswald Nr. 79 ansässige Bauer Franz Püschel, zu diesem Zeitpunkt noch am Leben gewesen, er hätte die Vermählung seiner Tochter mit dem Unternehmer Franz Wolf gewiss missbilligt. Franz Püschel hasste nämlich die Knöppelmacher und hätte an Josefinas Seite wohl viel lieber einen dem bäuerlichen Berufsfeld zugehörigen Gatten gesehen. Schon die Eheschließung seiner älteren Tochter Anna Maria Josefa (08.06.1861-31.12.1891) mit dem Peterswalder Knopffabrikanten Anton Karl Kühnel (23.09.1855-02.05.1894) im Jahre 1883 war gegen seinen Willen geschehen. Franz Püschel hatte damals die Meinung vertreten, dass ihm dieser Schwiegersohn seine geliebte Tochter, deren Hilfe er so dringend auf seinem Hof benötigte – die Mutter war bereits 1868 mit 36 Jahren verstorben –, weggeheiratet habe. Aus Gram über den Niedergang seiner Landwirtschaft, für die er keinen männlichen Erben hatte und keinen geeigneten Pächter fand, war ihm offensichtlich kein anderer Ausweg geblieben, als sich am 12. Dezember 1889 das Leben zu nehmen.

Doch zurück in die Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts und zu dem weiter an der Vergrößerung des Unternehmens beim Thekla arbeitenden Franz Wolf. Diesem gelang es 1896 erfolgreich, die Erzeugung von Tapeziernägeln aufzunehmen, wodurch sich eine erhebliche Umsatzsteigerung verzeichnen ließ. Aber während die Ehefrau Franz Wolfs, Josefina geborene Püschel, bereits am 12. Januar 1896 nur 30-jährig in ihrem Elternhaus Nr. 79 an Lungentuberkulose starb, war es dem Begründer der Firma, dem inzwischen hochbetagten Franz Wolf senior, vergönnt, diesen weiteren Geschäftserfolg seines Enkels noch erleben zu dürfen. Er verschied erst am 9. August 1897 im hohen Alter von 85 Jahren. Bestattet wurde er auf dem Friedhof in Peterswald neben seiner am 25. Februar 1887 verstorbenen Ehefrau Thekla.

Kurze Zeit nach dem Tod des Seniors richteten August und Franz Wolf auf ihrem im Oberdorf befindlichen Grundstück die erste Schleiferei ein, doch erwiesen sich die hier zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten bald als zu beengt und drohten, einem weiteren Aufschwung im Weg zu stehen. Aus diesem Grund erwarb Franz Wolf junior 1898 die Gebäude der ehemaligen Samtfabrik Van der Becke und Terrheggen im Niederdorf (Nr. 149), wohin im darauffolgenden Jahr das gesamte Unternehmen einschließlich der Fabrikantenwohnung verlegt wurde. Nun standen die erforderlichen Platzkapazitäten bereit, um 1902 die Erzeugung der erst kürzlich aufgekommenen Druckknöpfe aufzunehmen und bald wurden auch Anker-, Mode-, Aufputz- und Zelluloidknöpfe gefertigt. Doch auch im privaten Bereich brachte der Beginn des 20. Jahrhunderts Veränderungen im Hause Wolf mit sich. 1905 ging Franz Wolf junior eine zweite Ehe ein und vermählte sich mit der aus Wien stammenden Lina Dunkel. Möglicherweise hatte er diese auf einer seiner zahlreichen Geschäftsreisen kennen gelernt. Der Überlieferung nach soll ihn bei derlei Unternehmungen, die ihn gelegentlich auch ins europäische Ausland – unter anderem nach Russland – führten, häufig seine erstgeborene Tochter Frieda begleitet haben. Leider erkrankte Franz Wolf in Folge der vielen Überanstrengungen 1907 an einem schweren Nerven- und Gehirnleiden, dem er am 15. August 1911 knapp 43-jährig erlag. Zwei Jahre darauf, am 28. Juli 1913, folgte ihm sein Vater August, der die letzten Jahre im Haus Nr. 448 gelebt hatte, in den Tod. Es ist unbestreitbar, dass Franz Wolf der Firma August Wolf und Sohn zur vollen Blüte verholfen hat und durch seinen unermüdlichen Einsatz und seine Geschäftstüchtigkeit auch zahlreichen Arbeiterfamilien eine Existenzgrundlage bot. So ist überliefert, dass im Unternehmen in der Zeit der  Hochkonjunktur, in den Jahren von 1906 bis 1912, mehr als 300 Vollbeschäftigte tätig waren. Während der vierjährigen Krankheit ihres Gatten ruhte die Last der Geschäftsleitung auf den Schultern Lina Wolfs. Nach dem Tod des Firmeninhabers galten jedoch seine beiden Töchter aus erster Ehe, Frieda und Marie Wolf, als Teilhaberinnen. Erstere hatte bereits im Jahre 1910, am 14. November, den kurz zuvor als Prokurist ins Unternehmen getretenen Cousin ihres Vaters, Franz Hiebsch, geheiratet. Dieser, geboren am 27. Dezember 1878, war ein Sohn Anton und Thekla Hiebschs und damit ein Neffe August Wolfs. Vier Jahre später, 1914, schied Marie Wolf im Zuge ihrer Eheschließung mit dem aus Teplitz stammenden Rudolf Schublach aus Teilhaberin aus und an ihre Stelle trat ihr Schwager Franz Hiebsch. Dessen Ehe mit der stets eleganten und weltgewandten Frieda Wolf entstammte drei Kinder: Friedrich-Franz (* 20.11.1912), Theodor (* 04.10.1914) und Elisabeth (* 14.03.1917). Ein furchtbarer Schicksalsschlag widerfuhr jedoch der Familie im November 1917, als sich Frieda Hiebsch, die erneut schwanger war, gegen den entschiedenen Willen ihres Gatten in Prag einer Abtreibung unterzog, diesen  Eingriff jedoch nicht überlebte und am 11. November 1917 verstarb. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung mussten der tief trauernde Witwer Franz und die Kinder auf dem Friedhof zu Peterswald von Frieda Hiebsch Abschied nehmen, deren Leichnam in einer monumentalen Gruft aus schwarzem Granit zur letzten Ruhe gebettet wurde. Erst wenige Monate zuvor hatten Franz und Frieda Hiebsch aus Eigenem der Pfarrkirche eine neue Beleuchtungsanlage im Wert von mehr als 4600 Kronen finanziert.

Gemäß des vorliegenden Testaments trat mit dem Tod seiner Gattin Franz Hiebsch als alleiniger Besitzer und Eigentümer an die Spitze des Unternehmens und kümmerte sich zielstrebig um die Modernisierung der Fabrikanlagen und die Vervollkommnung der Einrichtung. Unter seiner Regie erfolgte nun auch die Produktion von Stoffknöpfen.

Drei Jahre nach dem Tod seiner ersten Gemahlin, am 28. Dezember 1920, heiratete der Fabrikant  Franz Hiebsch in zweiter Ehe die erst 18-jährige, mit einer üppigen Mitgift ausgestattete Fabrikantentochter Frida Fritsche (* 11.06.1902) aus dem nahe gelegenen Neuhof. Ihr Vater, Josef Fritsche, hatte dort 1912 eine sehr erfolgreich wirtschaftende Knopffabrik gegründet. Ein Jahr nach dieser bei den Peterswaldern Aufsehen erregenden Vermählung bestellte das bischöfliche Konsistorium in Leitmeritz Franz Hiebsch zum Vogteikommissär über die Kirchspiele in Peterswald und Nollendorf. Das einzige Kind aus der Beziehung zwischen Franz Hiebsch und Frida geborene Fritsche, der Sohn Franz Wolfgang, kam am 10. Januar 1922 zur Welt. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt litt das Unternehmen, das ungeachtet der vielen Besitzerwechsel noch immer im Volksmund beim Thekla hieß, an den Folgen des Ersten Weltkrieges und an den im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Habsburgerreiches stehenden wirtschaftlichen Veränderungen. Überdies war mittlerweile auch einer der Hauptabnehmer, der russische Markt, weggefallen. Zwar zählte August Wolf und Sohn auch noch in den 1930er Jahren zu den profiliertesten und angesehensten Betrieben in Peterswald, doch was die Umsatzsteigerung und Mitarbeiterzahl anbelangte, wurde sie inzwischen von der Firma Josef Rauchfuß und Söhne (Nr. 118) und mehr noch von Hans Dittmayer & Co. (Nr. 329) überflügelt.

Eine bedeutsame bauliche Veränderung des Firmenanwesens erfolgte 1938, als Frieda Hiebsch nahe des Fabrikgebäudes eine moderne und großzügige Villa errichten ließ, doch Glück schien das neue Heim seiner Erbauerin nicht zu bringen: Ihr einziger Sohn Wolfgang wurde schwer verwundet aus dem Kessel von Stalingrad ausgeflogen und starb am 10. Jan. 1943 in einem Lazarett in Dnjepropetrowsk in der Ukraine. Nachdem seine Mutter die Nachricht erhalten hatte, soll sie tagelang ohne Nahrung und mit dem Willen zu sterben auf den Treppenstufen ihres Hauses verharrt haben. Allerdings ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung und Frieda konnte erst 1984 ihre Augen für immer schließen.

Zwei Jahre nach Wolfgang Hiebschs Tod suchten zwei weitere Tragödien die Familie heim. Der Vater von Frida Hiebsch, der Fabrikbesitzer Josef Fritsche, hatte 1944 seinen Betrieb in Neuhof aus Altersgründen verkauft und war nach Berggießhübel gezogen. Als er seinen Kindern am 11. Mai 1945 Lebensmittel in ein Waldversteck bringen wollte, wurde er von einem russischen Wachposten erschossen. Am 8. August 1945 verschied auch Franz Hiebsch 67-jährig und fand als Letzter der Familie seine Ruhe in der Gruft auf dem Peterswalder Friedhof. Wenig später mussten seine Hinterbliebenen wie Tausende ihrer Landsleute die Heimat für immer verlassen und in die Thekla-Villa zog eine Tschechin ein. Diese unternahm 1953 eine Busfahrt nach Aussig, vergaß jedoch beim Verlassen des Hauses das Bügeleisen auszuschalten, was zu einem verheerenden Brand führte. Bei ihrer Rückkehr lag die Villa in Schutt und Asche. Im Rückblick mutet dieses Ereignis wie eine Vorsehung des Schicksals an. Es scheint, als hätte sich dieser stolze Bau, Symbol der Geschäftstüchtigkeit und des Fleißes der sudetendeutschen Großunternehmer, angesichts des begangenen Unrechts und vor dem Hintergrund der nunmehrigen politischen Verhältnisse geweigert, weiter Bestand zu haben.

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